1675 veröffentlichte der französische Architekt Nicolas-François Blondel eine erstaunlich einfache Regel, die Bauherren bis heute nutzen: Eine Treppe ist bequem, wenn das Doppelte der Setzstufe plus der Auftritt einem natürlichen Gehschritt entspricht.

Die Formel

2S + A ≈ 60 bis 66 cmS = Setzstufenhöhe · A = Auftritt · das klassische Ziel ist 63 cm, die Länge eines natürlichen Schritts

Beispiel: Eine Treppe mit 17,5 cm Setzstufe und 28 cm Auftritt ergibt 2 × 17,5 + 28 = 63 cm — Komfort nach Lehrbuch. Liegt das Ergebnis deutlich unter 60 cm, ermüdet die Treppe; weit über 66 cm wirkt sie hastig oder unsicher.

Anwendung bei Wendeltreppen

Bei einer Wendeltreppe ist der Auftritt keilförmig — die Blondel-Regel wird daher auf den nutzbaren Auftritt entlang der Gehlinie angewendet (etwa auf zwei Dritteln des Radius von der Mitte). Entscheidend ist nicht das breite äußere Keilende, sondern die Stelle, auf die der Fuß tatsächlich tritt.

  • Messen Sie den Auftritt auf der Gehlinie, etwa ½ bis ⅔ von der Spindel aus.
  • Verwenden Sie die echte Setzstufe (Gesamthöhe ÷ Stufenzahl), nicht die Ziel-Setzstufe.
  • Bei kompakten Wendeltreppen ist der nutzbare Auftritt oft schmaler; halten Sie mindestens 20–25 cm und gleichen Sie mit einer flacheren Setzstufe aus, wo möglich.

Komfortwerte zum Merken

  • Setzstufe: 15–19 cm (bei Wendeltreppen bei Platzmangel oft etwas mehr erlaubt).
  • Nutzbarer Auftritt auf der Gehlinie: 20–30 cm.
  • Stufen pro 360°-Windung: 9–20.

2S + A ist ein Richtwert, kein Gesetz — aber wenn eine Treppe „nicht stimmt“, erklärt diese Formel meistens warum.

Möchten Sie Ihre Maße prüfen? Lesen Sie, wie Sie eine Wendeltreppe berechnen, und schauen Sie sich danach den Sicherheits-Check und den Materialvergleich an.